Knackpunkt e.V.

- Iserlohn -

Angebote gem. § 10 Jugendgerichtsgesetz (JGG)

Ambulante sozialpädagogische Angebote haben sich seit ihrer Einführung zu Beginn der 90er Jahre als Alternative zu freiheitsentziehenden Maßnahmen bewährt und konnten weitaus häufiger aus der Kriminalität herausführen, als repressive jugendgerichtliche Sanktionen.

Ausgrenzung und Einsperren führen eher zu einer Verfestigung krimineller Karrieren, statt sie

zu unterbinden.

Im Rahmen der pädagogischen Maßnahmen können die Jugendlichen und Heranwachsenden individuell, bedarfsgerecht und zielgerichtet unterstützt und gefördert werden.

Betreuungsweisungen

Die Betreuungsweisung ist eine Arrest vermeidende Einzelfallhilfe für straffällige Jugendliche und Heranwachsende mit der Zielsetzung, weitere Straftaten zu vermeiden.

Mit Hilfe der Betreuung sollen die jungen Menschen ganz individuell unterstützt werden, begangene Straftaten aufzuarbeiten, Entwicklungsprobleme zu bewältigen und eine realistische, zielgerichtete Lebensperspektive zu entwickeln. Sie erhalten Begleitung und Unterstützung in sämtlichen lebenspraktischen Bereichen, mit dem Ziel, sie zu Eigenverantwortlichkeit und Selbstständigkeit zu befähigen. Das Vorliegen eines tatsächlichen Betreuungsbedarfs und die Bereitschaft zur  Zusammenarbeit sind im Vorfeld abzuklären.

Die Jugendlichen  und Heranwachsenden können vor der Hauptverhandlung freiwillig Termine bei uns wahrnehmen und werden dann von einer Mitarbeiterin des Vereins Knackpunkt zur Verhandlung begleitet.

Hier kann die Betreuungshelferin bereits Angaben über den bisherigen Kontakt und über die konkreten Betreuungsziele machen.  

In der Regel finden sodann einmal wöchentlich vertrauliche Einzelgespräche statt – bei Bedarf oder in Krisensituationen auch mehr.

In regelmäßigen Abständen findet ein Austausch in Form eines Hilfeplangespräches mit der Betreuungshelferin, dem/der zuständigen Jugendhilfe im Strafverfahren und dem/derJugendliche(n)/ Heranwachsende(n) statt.  

Der zuständige Jugendrichter erhält nach Abschluss der Betreuungsweisung  einen ausführlichen  Bericht über den Verlauf der Betreuungsweisung.

Die Betreuungsweisung ist eine sehr eingriffsintensive Maßnahme, die von den jungen Menschen vieles abverlangt. In den seltensten Fällen ist die Auferlegung von Sozialdiensten in Kombination mit einer Betreuungsweisung sinnvoll.

Jugendliche und Heranwachsende, die zuvor bereits oftmals über einen  sehr  langen Zeitraum ohne Beschäftigung oder Tagesstruktur waren, sind durch Sozialdienste nur schwer zu erreichen – vielmehr sollten in diesen Fällen die vorhandenen sehr guten Angebote der Tagesstrukturierenden Maßnahmen oder  andere  niedrigschwellige Angebote genutzt  werden, um den Jugendlichen und Heranwachsenden wieder Halt in ihrem Leben zu geben und - mit Unterstützung -  eine geeignete Zukunftsperspektive entwickeln zu können.  


Soziales Training

Der Soziale Trainingskurs ist eine Arrest vermeidende sozialpädagogische Gruppenmaßnahme und richtet sich an straffällige Jugendliche und Heranwachsende mit der Zielsetzung weitere Straftaten zu vermeiden.  

Die Teilnehmer müssen sich auf einen zwangsweise angeordneten gruppenpädagogischen Prozess einlassen – daher sind auch hier vor Verhängung der Maßnahme durch das Gericht, Informationsgespräche mit dem/derJugendlichen/Heranwachsende(n) zwingend notwendig.

Insbesondere vor der Verhängung des Anti-Gewalt-Trainings  muss  der  Teilnehmer  auf  seine  Eignung für diese hochkonfrontative Maßnahme geprüft werden.

Über einen festgesetzten Zeitraum von drei bis sechs Monaten erlernen die Teilnehmer im Schutzraum der Gruppe verschiedene Formen des sozialen Handelns, setzen sich mit ihren problematischen Verhaltensweisen auseinander und entwickeln Handlungsalternativen für die Zukunft.

Der Verein Knackpunkt bietet jährlich drei Trainingskurse mit verschiedener Ausrichtung an.Im Bedarfsfall besteht auf Nachfrage ebenfalls die Möglichkeit ein Angebot für Tätergruppen oder geschlechtsspezifische Maßnahmen anzubieten.

„Drinnen & Draußen“ : Anti – Gewalt – Training (AGT) Behandlungsprogramm für inhaftierte Gewalttäter (BIG)

Das AGT/BIG ist eine deliktspezifische Behandlungsmaßnahme für Jugendliche und Heranwachsende aggressive Wiederholungstäter.

Das Training wird einmal jährlich über einen Zeitraum von einem halben Jahr (ca. 100 Stunden) in Kooperation mit der Abteilung des offenen  Vollzugs der Justizvollzugsanstalt Iserlohn angeboten.

Zielsetzung ist die Vermeidung weiterer Gewalttaten. Es stehen insgesamt 8 Plätze für junge Männer ab 16 Jahren zur  Verfügung. 

Nach erfolgreicher Teilnahme erhält der Jugendrichter einen ausführlichen Abschlussbericht über den Verlauf der Maßnahme.

Das Training besteht aus folgenden Modulen:

  • Informationsveranstaltung/ Klärung aller Fragen/ Vertragsunterzeichnung
  • Entwicklung persönlicher Ziele
  • Biografische Arbeit in Anlehnung an die Methode idealtypisch-vergleichender Einzelfallanalyse (MIVEA)
  • Beziehungsmotive nach Rainer Sachse
  • Bilanzierung (Kosten-Nutzen-Analyse)
  • Deliktrekonstruktionen/ Entscheidungsketten
  • Persönliche Risikofaktoren/ Wege aus dem Risiko
  • Entwicklung von Handlungsalternativen
  • Provokationstraining/ Einüben schwieriger Situationen
  • Die Tat aus Sicht der Geschädigten
ABSEITS-Kurs für Drogenkonsumenten

Der ABSEITS-Kurs ist ein sekundär präventiver Arbeitsansatz jugendliche und heranwachsende Drogenkonsumenten, die bereits mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, zu einer Veränderung ihres bisherigen Konsumverhaltens zu motivieren.

Einmal jährlich bieten wir diesen dreimonatigen sozialen Trainingskurs für 8 junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren an.

Der spezifische Substanzenbezug sollte vorwiegend Cannabis sein. Der überwiegende Konsum von Opiaten, Kokain, Benzodiazepinen oder Alkohol stellt ein Ausschlusskriterium dar.

Nach Abschluss der Maßnahme erhält der Jugendrichter einen Bericht über die erfolgreiche Teilnahme.

Der Kurs besteht aus folgenden Modulen:

  • Vermittlung von Wissen über Drogen
  • Folgen des Konsums
  • Differenzierung zwischen Gebrauch-Missbrauch-Abhängigkeit
  • Kristische Einschätzung des eigenen Konsums
  • Motivation zur Verhaltensänderung
  • Entwicklung von Alternativen
  • Vermeidung weiterer Straftaten
Sportprojekt

Das Sportprojekt wird ebenfalls einmal jährlich in Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe   Hemer angeboten und richtet sich an Jugendliche und Heranwachsende, die bislang ihre Freizeit vollkommen unstrukturiert verbringen und nur wenig Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten aufweisen.

Über einen Zeitraum von drei Monaten (ca. 80 Stunden) erlernen die Teilnehmer durch die gemeinsamen Gruppenaktivitäten Teamfähigkeit, gegenseitige Rücksichtnahme, Respekt voreinander und Durchhaltevermögen in schwierigen Situationen. 

Die  Zielsetzung ist die Steigerung des Selbstbewusstseins und das Erlernen sozialer Kompetenzen. Insgesamt stehen 8 Plätze zur Verfügung – entweder im Rahmen einer bereits bestehenden Betreuungsweisung oder über direkte Zuweisung durch den Jugendrichter.

Nach Abschluss der Maßnahme erhält der Jugendrichter einen Bericht über die erfolgreiche Teilnahme.

Das Sportprojekt besteht aus folgenden Modulen:

  • Informationsveranstaltung/ Klärung aller Fragen/ Vertragsunterzeichnung                              (mind. ein Elternteil muss an der Informationsveranstaltung teilnehmen)
  • Erlebnispädagogischer Team-Trainings-Tag
  • Exkursion der Heinrichshöhle/Hemer
  • Ganztägige Kanu-Tour auf der Ruhr
  • Zweitägige Wanderung incl. Übernachtung in den heimischen Wäldern
  • Einmal wöchentliches Training

 

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